Orte

Altötting - Ewige Anbetung 24/7 seit 3. April 2011
Aufhausen bei Regensburg
Aalen-Westhausen - Ewige Anbetung 24/7 seit 5. Oktober 2017:
Balderschwang - Ewige Anbetung in der Studiokapelle von Radio Horeb
Berlin St. Clemens
Bröleck (Westerwald) - Ewige Anbetung 24/7 seit 1. Advent 2017
Frauenberg bei Bodman (Gemeinschaft "Agnus Dei") - Ewige Anbetung 24/7 Anbetung seit 1982
Kempten, St. Anton - Taganbetung seit 1985, Ewige Anbetung 24/7 seit Fronleichnam, 26. Mai 2016
Kloster Ofteringen (Wutöschingen, Diözese Freiburg) - Ewige Anbetung seit Fronleichnam 1862
Türkheim, Loretokapelle - Ewige Anbetung 24/7 seit 19. September 1999

Kurze Geschichte der eucharistischen Anbetung in Türkheim

Sechs Jahre tägliche Anbetung

Schon seit 1993 hatten wir in unserer Pfarrgemeinde begonnen, täglich eine Stunde zumeist am Abend zwischen 17 .00 und 18.00 Uhr Anbetung vor Jesus im Allerheiligsten Sakrament zu halten. Zudem gibt es in unserer Pfarrei schon seit 325 Jahren eine Corpus-Christi-Bruderschaft, die eigens zur ewigen Anbetung gegründet wurde und wenigstens einmal im Jahr eine längere Anbetungszeit gehalten hat. Auch wird in unserer Gemeinde schon seit über 60 Jahren täglich der Rosenkranz gebetet, viele dieser Beter beteiligten sich über all die Jahre hinweg auch in Treue an der täglichen stillen Anbetungsstunde.

Anbetung im Internet

Schon während meines Studiums hörte ich beiläufig einmal von einer Gemeinschaft, die Tag und Nacht sieben Tage in der Woche Anbetung hält und bei der so immer jemand da ist, der für die anderen betet. Für mich selbst war die stille ewige Anbetung damals bereits zur wichtigsten geistlichen Erfahrung meines Lebens geworden. In ihr habe ich gelernt, mit Jesus ganz persönlich zu sprechen und seinen Willen zu erkennen.

Im Jahre 1997 bin ich beim Surfen im Internet auf den Gedanken gekommen, das Netz nach dem Begriff “ewige Anbetung” bzw. “perpetual Adoration” zu durchsuchen. Voller Überraschung fand ich dabei das Projekt “Ewige Anbetung in der Pfarrgemeinde”, das auf einer amerikanischen Webseite ausführlich dargestellt war. Tief berührt im Herzen las ich davon, dass bereits ca. 1000 Pfarreien vor allem in Nordamerika und auf den Philippinen begonnen hatten, Jesus im Allerheiligsten Sakrament rund um die Uhr anzubeten. Ich druckte mir die Seiten aus, legte sie aber dann in meiner Registratur ab, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass so etwas unter deutschen pastoralen Verhältnissen möglich ist. Trotzdem ließ mich auch in den folgenden Monaten dieser Gedanke nicht mehr los.

Die Dinge nehmen ihren Lauf

Bei einer Begegnung mit meinem Bischof Viktor Josef Dammertz am 20. Oktober 1998 erzählte ich ihm davon und erbat seinen Rat. Er ermutigte mich sehr, es doch zu versuchen. Nach einer weiteren Zeit des Zögerns entschloss ich mich am 25. Januar 1999, an die Adresse in Amerika zu schreiben, die mir aus dem Internet bekannt war und bat um weitere Informationen.

P. Viktor Warkulwiz, Missionar vom Allerheiligsten Sakrament, rief am 2. Februar 1999 von Amerika an und erklärte mir dabei sofort, er werde nach Deutschland kommen und uns helfen, mit der ewigen Anbetung zu beginnen. Auch wenn mir das alles etwas zu schnell ging, konnte ich dieses Angebot nicht ablehnen. Bislang hatte ich aber noch niemand in meiner Gemeinde etwas gesagt. Insbesondere der Pfarrgemeinderat und die wichtigsten Mitarbeiter sollten einem solch einschneidenden Vorhaben gegenüber schon positiv eingestellt sein.

Jetzt überstürzten sich die Ereignisse. Der Besuch von P. Viktor wurde auf den 4. Juli 1999 festgesetzt, das Fest unseres Diözesanpatrones, des Hl. Ulrich. Bis dahin mussten noch zahlreiche Hürden genommen werden, nicht zuletzt waren meine eigene Zweifel zu überwinden, ob dieses Vorhaben wenigstens eine geringe Aussicht auf Erfolg haben könnte und vor allem ob es wirklich der Wille Gottes war.

So stellte ich Jesus drei Bedingungen, die mir als klare Zeichen für seine Pläne dienen sollten:

1. Meine Mitarbeiter dürfen sich nicht negativ zu diesem Projekt stellen.

2. Der Pfarrgemeinderat darf keine größeren Einwände dagegen haben.

3. Mindestens 12 Gläubige, die bisher noch nicht regelmäßig bei unserer täglichen Anbetung dabei waren müssen ihre Bereitschaft zur Mithilfe erklären.

Jesus hat alle Bedingungen binnen kurzer Zeit erfüllt.

Ein Sonntag – 100 Anbeter

P. Viktor kam also im Juli zu uns und predigte an dem besagten Sonntag in allen Gottesdiensten, d. h. eigentlich habe ich nur die deutsche Übersetzung seiner englischen Predigt in der Hl. Messe vorgelesen. Während der Predigt wurden Zettel ausgeteilt, auf denen man sich für eine Anbetungsstunde eintragen konnte. Nach der Kommunion wurden diese Zettel dann wieder eingesammelt.

Auf diese Weise fanden wir bei einem Gottesdienstbesuch von ca. 700 Gläubigen 100 Anbeter, die bereit waren, eine Stunde pro Woche zu übernehmen. Preist den Herrn. Es kam uns allen wie ein Wunder vor. Doch nachdem die Woche aber 178 Stunden hat, war das noch bedeutend zu wenig. Da aber die ewige Anbetung erst am 19. September 1999 beginnen sollte, blieb uns noch etwas Zeit, auch noch die fehlenden Anbeter zu finden. Vor allem in der Umgebung von Türkheim haben wir noch zahlreiche Helfer gefunden.

Anbetung rund um die Uhr

Seit dem 19. September 1999 nun wird Jesus in unserer Pfarrkirche rund um die Uhr angebetet und ein ganz besonderes Abenteuer hat begonnen. Kaum einer, der mit der Anbetung begonnen hat, hat sie wieder aufgegeben. Wenngleich wir immer noch mehr Anbeter brauchen könnten, sorgt der Herr selbst doch ständig dafür, dass genügend Beter zur Verfügung stehen. Die Dankbarkeit derer, die jetzt schon über zwei Jahre die Anbetung halten und die Früchte, die jedem einzelnen und unserer ganzen Pfarrgemeinde auf verschiedene Weise geschenkt werden, ist wahrhaft überwältigend. Am 7. Oktober 2001 sind wir mit der Ewigen Anbetung in unsere neu renovierte Loretokapelle umgezogen.

Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament von nun an bis in Ewigkeit!

Bernhard Hesse, Pfarrer

Gebetserhörungen, Heilungen und ein Wachsen der Liebe zu Gott
Früchte der Ewigen Anbetung
Interview mit Pfr. Bernhard Hesse, Türkheim

Seit 1999 gibt es in der Pfarreiengemeinschaft Türkheim die Ewige Anbetung. Wie es dazu kam und welche Früchte daraus entstanden sind, lesen Sie im folgenden Interview.

Wie und wo haben Sie zur Anbetung gefunden?

Die Anbetung habe ich in Jerusalem entdeckt. Ich durfte dort ein Studienjahr als Theologiestudent verbringen und war immer auf der Suche nach geistlichen Orten und Gemeinschaften in der Hl. Stadt. Durch eine schöne Fügung lernte ich eine Gemeinschaft von Schwestern kennen, die zum Gebet einluden. In ihrer Hauskapelle hielten sie viele Stunden stille Eucharistische Anbetung.

Mir war Anbetung durchaus vertraut, aber dass man einfach nur still, schweigend vor dem Allerheiligsten kniet oder sitzt, auf Jesus schaut und dabei nichts hörbar betet, das war mir neu. Ich habe es – zusammen mit einem Freund – einfach ausprobiert. Mehrmals in der Woche sind wir von unserem Studienhaus zu den Schwestern gelaufen, um bei ihnen in die Anbetung zu gehen. Es brauchte nur wenige Tage und ich durfte eine tiefe Glaubenserfahrung machen: Dieser Jesus antwortet mir aus der Hostie heraus! Gebet ist keine Einbahnstraße, Gott teilt sich mir mit. Nicht mit einer hörbaren Stimme, aber ganz tief im Herzen habe ich Ihn gespürt. Jesus hat mir immer deutlicher gezeigt, dass Er mich führt, Er hat mir geoffenbart, welche Pläne Er mit mir hat, was Er von mir will.

Wie entstand der Wunsch nach Ewiger Anbetung?

Als ich aus dem Heiligen Land wieder zurückgekehrt war, war klar: die Anbetung will ich mir bewahren. Doch das war im Priesterseminar gar nicht so einfach, da ich mich ja nicht vor den anderen Seminaristen aussetzen wollte. So spürte ich aber den Ruf Jesu, die Anbetung einfach vor einer Ikone oder einem Kreuz zu halten. Auch dabei hat mir Jesus immer Seine Gnaden geschenkt. Als ich aber nach der Priesterweihe den Zugang zum Tabernakel hatte, konnte mich nichts mehr hindern, die Eucharistische Anbetung fortzusetzen.

War es schwierig, diesen Wunsch all die Jahre durchzutragen?

Es ist letztlich eine Frage der Entschlossenheit. Ich hatte in Jerusalem erfahren, wie wichtig die Anbetung für mein Leben ist und so habe ich in all meiner Armut versucht, um die Treue zu kämpfen. Meine Anbetungszeiten waren (und sind) meist sehr trocken und scheinbar passiert in dieser Zeit des Schweigens nichts. Es gehen einem allerlei Gedanken durch den Kopf und oft ist man in der Versuchung, die Zeit abzukürzen und davonzulaufen. Wenn man durchgehalten hat, spürt man aber, dass Jesus eben doch gewirkt hat und sich etwas in uns verwandelt und verändert hat.

Wie haben Sie begonnen dieses Vorhaben umzusetzen?

Als ich Pfarrer wurde, entschloss ich mich die Anbetung öffentlich in der Pfarrkirche zu halten, jeden Tag eine Stunde, meist abends zwischen 17.00 und 18.00 Uhr. Jeder der wollte, konnte gerne dabei sein. Wir waren von Anfang an auch eine schöne Gebetsgruppe von ca. 10-15 Personen. Diese Anbetungsstunden waren immer still, nur am Schluss beteten wir kurz ein paar gemeinsame Gebete und schlossen mit dem Eucharistischen Segen.

Nach einigen Jahren dieser täglichen Anbetung musste ich allerdings sehen, dass einige treue Anbeter weggestorben waren, und kaum neue hinzu kamen. Ich ahnte schon, dass ich eines Tages mit der Anbetung weitgehend alleine da stehen könnte. In dieser Zeit bekam ich einen Internet-Zugang und ich begann dieses neue Medium zu entdecken und auch nach christlichen Inhalten zu durchsuchen. So gab ich eines Tages auch den Suchbegriff „perpetual adoration“ ein und landete völlig überraschend auf einigen Webseiten in Amerika, die haarklein beschrieben, wie man eine Rund-um-die-Uhr-Anbetung mit einer Pfarrgemeinde aufbauen kann. Diese Seiten faszinierten mich tief, ich druckte sie aus und legte sie aber dann in meine Registratur, denn zunächst war ich überzeugt: So etwas geht bei uns in Deutschland nie.

Aber dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Also begann ich auch zusammen mit anderen weiter zu beten. Wir machten mit der täglichen Anbetertruppe eine Marienweihe mit 33-tägiger Vorbereitung. Dann versuchte ich einen Termin bei meinem Bischof zu erhalten, was aber gar nicht so einfach war. Nach über einem halben Jahr gelang es mir schließlich mein Anliegen vorzutragen. Er war zwar von meiner Idee nicht gerade begeistert, aber er meinte, ich können es ja mal ausprobieren. Diese Aussage genügte mir völlig. Nun wandte ich mich an das Apostolat in Amerika und wollte mir nähere Informationen einholen.

Kaum hatte ich mich dort gemeldet, kam schon die Ankündigung eines Missionars von dort: „Ich komme.“ Dies erschreckte mich fast. Meine erste Rückfrage war (wie könnte es anders sein?): Was kostet das? Als er mir bestätigte, dass er auf eigene Kosten kommt, konnte ich schlecht etwas dagegen sagen. Bis dahin hatte ich aber in meiner Pfarrei noch niemand näher in dieses Projekt eingeweiht.

Gab es Zeiten des Zweifels?

In der Gemeinde war es in dieser Zeit für mich nicht so einfach. Es gab immer wieder Spannungen. Ich habe daher auch einige Bedingungen an den Herrn gestellt, die Er erfüllen muss, wenn ich dieses Projekt umsetzen soll. Eine erste lautete: Er muss mir zwölf Leute senden, die sich spontan für eine Anbetungsstunde pro Woche bereit erklären, obwohl sie bisher nicht regelmäßig zur Anbetung kamen. Diese Bedingung hat der Herr binnen zwei Wochen erfüllt. Eine zweite Bedingung war, dass mein Pfarrgemeinderat und meine hauptamtlichen Mitarbeiter sich nicht offen dagegen aussprechen. Da viele sowieso davon ausgegangen sind, dass es niemals gelingt, so viele Anbeter zu finden, wie man für eine Rund-um-die-Uhr-Anbetung braucht, hat sich mir niemand in den Weg gestellt.

Wer hat Ihnen dabei geholfen oder den entscheidenden Impuls gegeben?

Die entscheidende Aktion war der Besuch des Missionars aus Amerika. Er kam zum 4. Juli 1999 zu uns und hat in allen Gottesdiensten eines Sonntages gepredigt (damals waren es drei). Bei der Predigt gibt es eine Stelle, an der er einlädt, nun Zettel an alle Gläubigen auszuteilen, mit denen sie sich zu einer Anbetungsstunde bereit erklären können. Diese Zettel wurden nach der Kommunion wieder eingesammelt. Durch diese Aktion haben wir einhundert Anbeter bekommen! Das war zwar noch nicht genug für eine ganze Woche, aber immerhin. Die Woche hat 168 Stunden, aber wir hatten auch einige Gläubige, die schon bisher täglich eine Stunde zur Anbetung kamen. Diese waren auch bereit, dies fortzusetzen. Außerdem gab es einige aus der Umgebung von Türkheim, die versprochen hatten, bei der Anbetung zu helfen. Als wir am 19. September 1999 mit der Anbetung begannen, waren es genau so viele Anbeter, wie wir unbedingt brauchten – keiner zu viel und keiner zu wenig.

Wie hat die Pfarrei diesen Vorschlag aufgenommen? Gab es Widerstände?

Nun die Skepsis war groß und als dann auch noch bekannt wurde, dass die Ewige Anbetung startet und genügend Personen gefunden hat, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Aber umgekehrt waren ja auch viele Gläubige aus unserer Pfarrei mit dabei und nach und nach hat sich die Situation auch wieder beruhigt. Inzwischen ist unsere Loretokapelle zu einem geistlichen Zentrum geworden, zu dem tagein tagaus Hunderte von nah und fern kommen, um sich bei Jesus auszuruhen, ihre Anliegen abzuladen und wieder getröstet zu gehen. Heute gibt es deswegen keine echten Widerstände mehr.

Ist es schwer, die Liste immer voll zu haben?

Unsere Ewige Anbetung ist ein reines Laienprojekt. Insgesamt gehören ungefähr 200 Personen dazu. Es gibt ein Organisationsteam mit 4 Personen, das sich auch um die Vertretungsstunden kümmert und eine so genannte Hotline organisiert. Es gibt nämlich ein spezielles Anbetungshandy das reihum von diesem Team betreut wird. Normalerweise hat jeder Anbeter eine Stunde pro Woche, immer zur selben Zeit. Wenn jemand einmal verhindert ist, kann er seine Stunde möglichst rechtzeitig in eine rote Liste eintragen, die in unserer Loretokapelle aufliegt. Viele andere Anbeter schauen immer wieder in die Liste, ob sie vielleicht nicht noch eine zusätzliche Stunde übernehmen können, die gerade offen ist.

Es gibt auch jede Woche ca. 10 Stunden, die nicht fest besetzt sind. Auch sie werden in diese Liste geschrieben. Das Organisationsteam beobachtet diese Liste und handelt dann, wenn sich Lücken nicht geschlossen haben. Es gibt auch eine ganze Reihe von Leuten, die bereit sind gelegentlich Stunden zu übernehmen, wenn Bedarf ist. Das System hat in den vergangenen 14 Jahren gut funktioniert. Der Anteil des Pfarrers an diesem Projekt ist eigentlich recht gering. Er sollte es einfach ein wenig unterstützen und ab und zu den Eucharistischen Segen erteilen, bzw. den Zusammenhang zur Hl. Messe herstellen. Wenn die Anbetung durchläuft, muss der Priester noch nicht einmal das Allerheiligste ein- und aussetzen. Wir unterbrechen die Anbetung nur, wenn die Hl. Messe gefeiert wird und von der Nacht des Gründonnerstags bis zum Ostermorgen.

So viele Jahre hindurch Ewige Anbetung in einer „normalen“ Pfarrei – das klingt wie ein Wunder – ist es das für Sie auch?

Natürlich ist das gerade für mich ein großartiges Wunder Gottes, andererseits sind Wunder bei Jesus eigentlich ganz normal. Ist nicht die Messe selbst und die Wandlung darin letztlich das größte Wunder? Ich bin fest überzeugt, dass Gott dieses Wunder in ganz vielen Pfarreien wirken möchte. Es braucht nur ein paar Leute, die sich auf das Abenteuer mit Jesus einlassen. Das meiste macht sowieso Er und nicht wir.

Welche Früchte sehen Sie für sich persönlich und die Pfarrei als ganzes?

Die Früchte sind sehr vielfältig. Die größte Frucht ist das Wachstum in der Liebe zu Jesus bei jedem, der sich für die Anbetung öffnet. Es gibt zahlreiche Gebetserhörungen, auch bemerkenswerte Heilungen. Ich beobachte einen ganz außergewöhnlichen Schutz, unter dem unsere Pfarreien stehen, seit die Anbetung begonnen hat. Es gibt kaum mehr tödliche Unfälle oder Schäden durch Unwetter oder ähnliches. Das sind aber nur kleine äußere Zeichen. Für mich ist das Wichtigste, dass Jesus durch die Anbetung deutlich sichtbar und erfahrbar die Mitte der Pfarrei bzw. Pfarreiengemeinschaft ist. Wenn Er die Mitte ist, kommt alles andere auch an den richtigen Platz, Er ordnet den Rest.

Ihr wollt in der Pfarrei in Richtung Mission und Evangelisation weiter machen.
Welche konkreten Vorhaben gibt es in diese Richtung?

Wer zu Jesus in die Anbetung kommt, der wird von Ihm auch ausgesendet, Zeugnis zu geben. Die Anbetung ist ein Kraftwerk, sie enthält eine Dynamik und will in der Liebe und im Zeugnis für Christus fruchtbar werden. Dies ist mir in den letzten Jahren immer intensiver bewusst geworden. Daher haben wir uns umgeschaut, was andere Pfarreien mit dem Schwerpunkt Anbetung auf den Weg gebracht haben. Dabei sind wir – auch über das Internet – auf Pfarreien in Mailand und Südfrankreich aufmerksam geworden. Auf der Grundlage der Anbetung hat die Pfarrei Sant’Eustorgio in Mailand ähnlich wie einige Jahre später die Pfarrei St. Nazaire in Sanary-sur-Mer an der Cote d’Azur ein großes Evangelisationsprojekt mit dem Namen „Pfarrevangelisationszellsystem“ gestartet. 8-12 Gläubige kommen in wöchentlichen Zelltreffen zusammen und bemühen sich gemeinsam um das Zeugnis für das Evangelium im normalen Umfeld ihres Lebens und der Pfarrei. Diese Pfarreien haben durch diesen Weg eine große Strahlkraft entwickelt, die es ihnen ermöglicht auch Fernstehende an den Glauben heranzuführen. Wir haben seit gut drei Jahren nun auch damit begonnen und hoffen so auf den Ruf Jesu zu antworten, der Seine Jünger ausgesandt hat, allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Auch dieser Weg – immer in enger Verbindung zur Anbetung – ist sehr verheißungsvoll und spannend.

Tirschenreuth - Ewige Anbetung 24/7 seit 21. März 1986

Die Immerwährende Anbetung

von Pfarrer Georg Flierl

1. Der Beginn

Den Anstoß, der die Ereignisse ins Rollen brachte, die schließlich zur Einführung der “Immerwährenden Anbetung” führten, gab ein Telefonanruf, spät an einem Abend im Oktober 1985. Ein amerikanischer Priester, P. Martin Lucia SSCC, der den Gedanken und das Werk der Immerwährenden Anbetung bis dahin in den USA in ca. 200 Pfarreien verbreitet hatte, wollte bei seinem Aufenthalt in Europa auch nach Tirschenreuth kommen. Auf den Gedanken, in Tirschenreuth anzufragen, hatte ihn Pfarrer Karl Maria Harrer aus München gebracht. Der Termin mit dem Pater wurde für den nächsten Tag, einen Freitag, vereinbart. Mit einiger Verspätung kam der Pater in Begleitung eines amerikanischen Ehepaares in Tirschenreuth an. Das Ehepaar hatte das jüngste seiner 15 Kinder mitgebracht. Der Pater befand sich an diesem Tag gesundheitlich in einem jämmerlichen Zustand, so dass es bei einer gemeinsamen Mahlzeit unmöglich war, allzuviel über sein eigentliches Anliegen zu erfahren. Ein zusätzliches Problem bildete die Sprache; der Pater und seine Begleitung sprachen kein Wort deutsch.

Der Samstag war dann der Tag, an dem mir der Pater nicht nur das Grundanliegen erläuterte, sondern v.a. ganz detailliert erklärte, welche Schritte nacheinander getan werden müßten, um die Organisation der Immerwährenden Anbetung durchzuführen.

Nachdem ich mir sicher war, den Pater genau verstanden zu haben – das hatte mich zwei Tage in Anspruch genommen – setzte ich die Einzelheiten H. H. Stadtpfarrer Georg Maria Witt auseinander, der zunächst den Besuch des Paters aus USA noch am Telefon abgewimmelt hätte. Nach seinen Erinnerungen war es eine Bemerkung von mir, es könnte vielleicht doch der Wille Gottes sein, den Pater kommen zu lassen, der es ihn doch dann anders überlegen ließ.

Er war zunächst vor dem Gedanken zurückgeschreckt, bei all den vielen Dingen, die in der Pfarrei ohnehin schon “liefen”, noch eine weitere Sache hinzuzubekommen.

Der nächste, mit dem das Ganze besprochen wurde, war der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Daraufhin wurde eine Pfarrgemeinderatssitzung anberaumt, um das Projekt “immerwährende Anbetung” dort vorzustellen und durchzubesprechen. Ich erinnere mich, dass wir nicht unbedingt darauf erpicht waren, das Anliegen auf Biegen und Brechen durchzudrücken, sondern den Fortgang von den Reaktionen im Pfarrgemeinderat abhängig zu machen. Bei der Besprechung gab es u.a. drei Stimmen, die Einwände und Bedenken vortrugen, aber als Ganzes erwies sich der Pfarrgemeinderat durchaus offen. Somit war die Immerwährende Anbetung also nicht bereits im Keim wieder erstickt.

Als nächstes musste ein Predigttermin festgesetzt werden, an dem die Immerwährende Anbetung der ganzen Pfarrgemeinde vorgestellt werden sollte. Voraussetzung dafür war aber die Besprechung mit den Steyler Patres von St. Peter, Tirschenreuth, da ein relativ großer Teil der Pfarrgemeinde dort den Sonntagsgottesdienst besucht. Die Patres unter Leitung von P. Rektor Anton Schuch, SVD, erklärten sich damit einverstanden, dass einer der Pfarrseelsorger an dem betreffenden Sonntag die Predigt in der Klosterkirche St. Peter über die Immerwährende Anbetung hielt.

Diese Predigt war bei insgesamt acht Gottesdiensten zu halten, dreimal jeweils am Sonntagvormittag in der Stadtpfarrkirche und in St. Peter, sowie am Samstag und Sonntagabend noch einmal in der Stadtpfarrkirche. Unmittelbar im Anschluss an die Predigt wurden die Anmeldeformulare mit Kugelschreibern an die Gottesdienstbesucher durch Mitglieder des Pfarrgemeinderates ausgeteilt. Jeder, der bereit war, mitzumachen, musste Name, Telefonnummer und gewünschtes Tagesviertel eintragen. Das Ziel war, wenigstens 336 Beter zu finden, zwei für jede der 168 Stunden einer Woche. Nach dem ersten Gottesdienst, der Samstagvorabendmesse, hatten genau 42 Personen einen ausgefüllten Zettel abgegeben, Diese Zahl schien uns fast wie eine Verheißung, dass sich genügend Beter finden würden. Acht Gottesdienste waren es insgesamt, acht mal zweiundvierzig ergab genau die erforderliche Zahl von 336 Betern. Nach dem Abendgottesdienst am Sonntag waren es mehr als 380 ausgefüllte Zettel, manche zwar unleserlich, manche hatten das Anliegen falsch verstanden, manche Zettel hatten Grundschulkinder ohne Wissen der Eltern abgegeben. Aber der Grundstock war vorhanden, um weiterzumachen.

Die Anmeldeblätter wurden sortiert nach Tagesvierteln (0-6, 6-12, 12-18, 18-24 Uhr). Die meisten Anmeldungen lagen für die Zeit von 18-24, die wenigsten für die Zeit von 0-6 Uhr vor. Die Leute, die sich auf dem Anmeldeblatt durch ein zusätzliches Kreuzchen bereit erklärt hatten, bei der weiteren organisatorischen Arbeit mitzuwirken, wurden herausgesucht. Für jedes Tagesviertel wurde einer ausgewählt, der mit der Aufgabe der Einteilung der Beter betraut wurde. Hierzu war eine Vielzahl von Telefonaten notwendig. Manchmal bereitete das Entziffern der Telefonnummern und der Namen fast unlösbare Schwierigkeiten.

Schließlich war auch diese Arbeit bewältigt, aber es waren in der Zeittafel noch einige Lücken geblieben, vor allem in der Nacht und am Wochenende. Manch einer hatte beim Anruf des Einteilers einen Rückzieher gemacht, aber genausoviele gaben ihre Zusage nach einiger Bedenkzeit, so dass sich Absagen und Neuanmeldungen in etwa die Waage hielten.

Als Beginn für die Immerwährende Anbetung war der 21. März 1986 vorgesehen, der Schmerzhafte Freitag, das Patrozinium der Gnadenkapelle, der Geburts- und Todestag des Hl. Bruders Klaus von der Flüe, dem wir neben dem Hl. Josef das Anliegen der Immerwährenden Anbetung besonders anvertraut hatten. Vom 19.3., dem Festtag des Hl. Josef, bis zum 21.3.86 traf in diesem Jahr das traditionelle Triduum zum Schmerzhaften Freitag. Das Triduum diente diesmal der Vorbereitung des Beginns der Immerwährenden Anbetung. Der Prediger Dr. Bernhard Robert Kraus, Rektor der Wallfahrtskirche Maria Lindenberg, Schwarzwald, verstand es, der Pfarrgemeinde das Anliegen der Immerwährenden Anbetung so gut nahe zu bringen, dass die zusätzlichen Anmeldungen für die Immerwährende Anbetung ausreichten, um bis zum 21.3. die letzten Lücken in der Zeittafel schließen zu können.

Den abschließenden Gottesdienst zum Triduum des Patroziniums der Gnadenkapelle zelebrierte Weihbischof Vinzenz Guggenberger. Nach der eucharistischen Prozession wurde das Allerheiligste in der Gnadenkapelle ausgesetzt, die Immerwährende Anbetung hatte begonnen.

2. Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes als Tun der Kirche

a. Die praktische Übung

Die Kirche kennt die Anbetung des eucharistischen Herrn in verschiedenen organisatorischen Formen, so etwa das Vierzigstündige Gebet oder als “Ewige Anbetung”, wie sie auch in unserer Diözese üblich ist, wobei im Wechsel jeden Tag des Jahres eine oder mehrere Pfarreien diese “Ewige Anbetung” halten.

In der Weise, wie die Anbetung mittlerweile seit über fünf Jahren in der Pfarrgemeinde Tirschenreuth geübt wird, ist sie allerdings verhältnismäßig ungewöhnlich, wenngleich sich unweit von Tirschenreuth das von Altbischof Dr. Rudolf Graber eingerichtete Anbetungskloster in Konnersreuth befindet. Die dort im “Theresianum” wohnenden Schwestern und Pensionärinnen sind derzeit allerdings nicht in der Lage, die Anbetung ohne Unterbrechung auch nachts durchzuführen.

Bedeutende Orte der Anbetung sind Sacre Coeur in Paris, sowie die großen Marienwallfahrstorte Lourdes und Fatima mit jeweils eigens eingerichteter Anbetungskapelle.

b. Die dogmatischen Grundlagen

Die dogmatischen Grundlagen für die Anbetung der eucharistischen Brotsgestalt finden sich in der kirchlichen Lehre von der “Wesensverwandlung” (Transsubstantiation). Mit dieser Begrifflichkeit haben das IV. Laterankonzil (1215) und das Trienter Konzil (1551) die wahre, wirkliche und wesentliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie zum Ausdruck gebracht. “Gottes Handeln in Jesus Christus geschieht ein für allemal. Dem entspricht die fortdauernde Gegenwart Jesu Christi i n der Eucharistie über die eucharistische Feier hinaus”. Der katholische Erwachsenenkatechismus macht darauf aufmerksam, dass der katholische Glaube an die fortdauernde eucharistische Gegenwart Jesu Christi ursprünglich seinen Ausdruck v. a. darin fand, die bei der eucharistischen Feier übriggebliebenen Elemente ehrfürchtig aufzubewahren und die Kommunion außerhalb der Eucharistiefeier den Kranken zu bringen (vgl. DS 1645; Nr. 574). Der ursprüngliche und primäre Sinn der Aufbewahrung der Eucharistie ist also die Krankenkommunion bzw . die Wegzehrung für die Sterbenden. Die Austeilung der hl. Kommunion außerhalb der Eucharistiefeier und die Verehrung und Anbetung des unter den eucharistischen Gestalten bleibend gegenwärtigen Herrn kommen erst in zweiter Linie hinzu. Zu diesen Formen eucharistischer Frömmigkeit außerhalb der Eucharistie gehören vor allem die eucharistische Anbetung, eucharistische Prozessionen, besonders das Fronleichnamsfest, sowie privates Gebet vor dem Allerheiligsten. Sie verbreiteten sich erst im Mittelalter und haben ihren Sinn in der Vorbereitung und in der Auswirkung der eucharistischen Feier, näherhin in der Kommunion (vgl. DS 1643; Nr. 573; SC 47). Werden diese Formen eucharistischer Frömmigkeit in diesem Zusammenhang verstanden, dann haben sie eine bleibende Bedeutung in der Kirche (vgl. DS 1644). Sie bedürfen deshalb im Leben jeder Gemeinde und jedes einzelnen Gläubigen der Pflege und der Verlebendigung.”

J. Ratzinger und Johann Auer machen im Blick auf “Genossenschaften von der ewigen Anbetung”, die besonders im 17. Jahrhundert entstanden waren, folgende Feststellung: “Insofern diese Unternehmungen dem Christuskult und dem Fürbittgebet für die großen Anliegen der Zeit gelten, bleiben sie von dauerndem Wert und notwendig für die Kirche”.

c. Die Verehrung des Geheimnisses der Eucharistie gemäß der “lnstructio de cultu mysterii eucharistici” vom 25. März 1967

In diesem Dokument wurde die kirchliche Lehre nach dem II. Vatikanischen Konzil verbindlich formuliert. Es begegnet, ähnlich wie im Katholischen Erwachsenenkatechismus, der Hinweis in Nr. 49 unter der Überschrift “Die Verehrung der Heiligen Eucharistie als eines fortdauernden Sakramentes”, “dass der erste und ursprüngliche Zweck der Aufbewahrung der heiligen Gestalten außerhalb der Messe in der Kirche die Spendung der Wegzehrung ist, die Aufbewahrung dient in zweiter Linie der Kommunion außerhalb der Messe und der Anbetung unseres Herrn Jesus Christus, der unter diesen Gestalten verborgen ist”. Das Dokument zitiert hier die Instruktion “Quam plurimum” vom 01.10.1949. Es fährt fort mit einer Zitation aus der Enzyklika “Mediator Dei” von Papst Pius XII .: “Dieser eucharistische Anbetungskult ist einwandfrei und zuverlässig begründet”.

In Nr. 50 wird dann über “Das Gebet vor dem Allerheiligsten Sakrament” gehandelt: “Die Gläubigen sollen bei der Verehrung des im Sakrament gegenwärtigen Christus daran denken, dass diese Gegenwart aus dem Opfer hervorgeht und auf die sakramentale und geistliche Kommunion hinzielt.

Die Frömmigkeit, welche die Gläubigen zur heiligen Eucharistie hindrängt, bedeutet deshalb eine Ermunterung für sie, voll und ganz am österlichen Geheimnis teilzunehmen und dankbaren Sinnes auf das Geschenk dessen zu antworten, der durch seine Menschheit ununterbrochen göttliches Leben in die Glieder seines Leibes einströmen lässt. Indem sie bei Christus, dem Herrn, verweilen, erfreuen sie sich vertrauten Umgangs mit ihm, schütten vor ihm ihr Herz aus und beten für sich und alle die Ihrigen, für den Frieden und das Heil der Welt. Mit Christus bringen sie im Heiligen Geiste ihr ganzes Leben dem Vater dar und empfangen aus dieser erhabenen Verbindung Wachstum in Glaube, Hoffnung und Liebe. So wird in ihnen jene rechte innere Haltung genährt, mit der sie in gebührender Ehrfurcht das Gedächtnis des Herrn feiern und häufig das Brot empfangen können, das uns der Vater geschenkt hat.

Die Gläubigen sollen es sich daher angelegen sein lassen, ihren Lebensumständen entsprechend Christus, den Herrn, im Sakrament zu verehren. Die Seelsorger aber sollen sie durch ihr Beispiel dazu hinführen und durch ihr Wort anleiten.”

Und in Nr. 2, Abschnitt f heißt es bereits:

“Es steht ohne Zweifel fest, dass alle Christgläubigen nach der Weise, wie sie stets in der katholischen Kirche geübt wurde, diesem heiligsten Sakrament bei der Verehrung die Huldigung der Anbetung erweisen, die man dem wahren Gott schuldet. Es ist nämlich keineswegs deshalb weniger anbetungswürdig, weil es von Christus dem Herrn eingesetzt wurde, damit es genossen werde. Darum ist nämlich im Sakrament, das aufbewahrt wird, er selbst anzubeten, da er wesentlich in ihm gegenwärtig ist, kraft jener Verwandlung von Brot und Wein, die gemäß dem Tridentinischen Konzil zutreffend Wesensverwandlung (Transsubstantiation) genannt wird”.

Diese Vorstellung der Texte aus der “Instructio de cultu mysterii eucharistici” sollte helfen, Anbetung des eucharistischen Herrn als ein Tun zu erhellen, das tatsächlich ganz im Sinne der Kirche geschieht. Außerdem sollten diese Aussagen dazu dienen, etwaige Vorbehalte gegenüber dieser Form der Frömmigkeit abzubauen.

d. Papst Johannes Paul II als Förderer der eucharistischen Frömmigkeit

Am 2. Dezember 1981 hat Papst Johannes Paul II. in der Sakramentskapelle des Petersdoms in Rom mit der “Ewigen Anbetung” begonnen; dies auch als Anregung für andere Kirchen, dieses Beispiel nachzuahmen. Der Papst sagte damals: “Für die Kirche und die Welt ist die Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes von großer Notwendigkeit … Jesus erwartet uns in diesem Sakrament der Liebe …”

In seinem Schreiben an alle Bischöfe der Kirche vom 24. Februar 1980 handelt er “Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie”. In Nr. 3 betont er, dass die “Verehrung des eucharistischen Geheimnisses … sich auf die Heiligste Dreifaltigkeit … bezieht … und unsere Kirchen auch außerhalb der Messzeiten erfüllen (soll),…weil das Geheimnis der Eucharistie seine Entstehung einer großen Liebe verdankt und … unseren Dank und unsere Verehrung (verdient) … Die Anbetung Christi in diesem Sakrament seiner Liebe muss dann auch seinen Ausdruck in vielfältigen Formen eucharistischem Frömmigkeit finden: persönliches Gebet vor dem Allerheiligsten, Anbetungsstunden, kürzere oder längere Zeiten der Aussetzung, das jährliche Vierzigstündige Gebet, der Sakramentale Segen, eucharistische Prozessionen, Eucharistische Kongresse. Einen besonderen Hinweis verdient an dieser Stelle das Fronleichnamsfest als ein öffentlicher Akt der Verehrung, der dem in der Eucharistie gegenwärtigen Christus bezeugt wird, wie es mein Vorgänger Papst Urban IV. in Erinnerung an die Einsetzung dieses großen Geheimnisses gewollt hat. Dies alles entspricht also den allgemeinen Prinzipien und besonderen Normen, die schon seit langem in Geltung sind Lind während oder nach dem II. Vatikanischen Konzil erneut festgelegt worden sind”.

“Die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat und deren inneren Kern sie darstellen. Dies aber, verehrte, liebe Mitbrüder, verdient eine gesonderte Betrachtung . Die Kirche und die Welt haben die eucharistische Verehrung sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafür zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sühnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören”.

e. Zusammenfassung

Diese Zusammenstellung insbesondere lehramtlicher Aussagen über die Verehrung des eucharistischen Geheimnisses außerhalb der Messfeier mag genügen, um deutlich und nachdrücklich aufscheinen zu lassen, dass es sich hierbei um eine zutiefst christliche und gläubige Lebensäußerung handelt, die ganz im Sinne und Interesse der Kirche geschieht.

Zugleich bietet uns die zuletzt zitierte Äußerung Papst Johannes Pauls II., “die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat” (vgl. Hervorhebung durch Unterstreichung), die Möglichkeit, auf den dritten Teil meiner Ausführungen überzuleiten: “Anbetung – ein Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung”.

3. Eucharistische Anbetung als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung

Allgemein geläufig ist das Wort von der “ecclesia semper reformanda”. Auch das II. Vatikanische Konzil hat es betont und vollzogen, dass die Kirche eine ständig zu erneuernde Kirche ist. Es stellt sich aber sowohl im Blick auf die Kirche als beständig zu erneuernde wie auch im Blick auf unser Thema “Anbetung als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung” die Frage nach den Kriterien, an denen eine solche Erneuerung erkannt und gemessen werden kann.

Die Frage nach den Kriterien lässt sich mit einem Blick in die Instruktion “Inaestimabile donum”’ der Kongregation für die Sakramente und den Gottesdienst beantworten. In der Einleitung zu dieser Instruktion werden zunächst eine Reihe positiver Früchte der Liturgiereform aufgezählt, dann aber auch verschiedenartigste Missbräuche. Es wird “ein wachsender Verlust des Gespürs für das Heilige” beklagt und festgestellt, dass “man … es dem allerheiligsten Sakrament gegenüber an Ehrfurcht und Achtung fehlen (lässt) .Alle diese Missbräuche, die im Blick auf die Liturgie in der Instruktion aufgezählt werden, bedeuten “eine wirkliche Verfälschung der katholischen Liturgie…”Es wird Thomas von Aquin zitiert: “Eine Verfälschung begeht, wer von seiten der Kirche Gott einen Kult in anderer Weise darbietet, als er mit gottgewollter Autorität von der Kirche festgesetzt und in der Kirche üblich ist”.’

Die Instruktion fährt fort mit der lapidaren Feststellung: “All das kann keine guten Früchte bringen”. Die Frage ist zu stellen: Was kann dann gute Früchte bringen, gute Früchte im Sinne der Kirche, im Sinne einer Erneuerung, einer innerlichen Erneuerung? Im Blick auf die Aussage des hl. Thomas beantwortet sich diese Frage so: Gute Früchte wird ein Kult bringen, der “mit gottgewollter Autorität von der Kirche festgesetzt und in der Kirche üblich ist”.

Damit haben wir zugleich die Grundlage erarbeitet, mit deren Hilfe wir die Frage beantworten können, ob die Immerwährende Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes als Versuch und Weg zur innerlichen christlichen Erneuerung tauglich ist (vgl. das Stichwort “Offensive nach Innen”!).

Es ist die Frage zu klären, ob Anbetung in dieser Weise, wie sie nun seit dein 21. März 1986 in der Pfarrgemeinde in Tirschenreuth geübt wird, im Sinne der Kirche ist oder nicht.

Dass sie im Sinne der Kirche ist, Lind dass sie es sogar in eminenter Weise ist, ist bereits im Hauptteil dieser Abhandlung in Abschnitt 2 erarbeitet worden. Sie hat eine tiefe Tradition in Praxis und Lehre der Kirche. Man könnte im übrigen unseren gegenwärtigen Papst ganz gewiss mindestens genauso als eucharistischen wie als marianischen Papst bezeichnen. Von ihm haben wirja bereits die Aussage aus seinem Schreiben vom 24. Februar 1980 angeführt: “Die Belebung und Vertiefung der eucharistischen Frömmigkeit sind der Beweis für jene wahre Erneuerung, die das Konzil sich zum Ziel gesetzt hat’.

In Nr. 20 in “Inaestimabile donum” findet sich im Blick auf den “eucharistischen Kult außerhalb der Messe” die Aussage: “Nachdrücklich empfohlen wird die öffentliche und private Verehrung der heiligsten Eucharistie auch außerhalb der heiligen Messe…” In Nr. 27 derselben Instruktion ist von der Aufgabe der Priester die Rede, “den Gläubigen die Bedeutung der Liturgie … darzulegen”. Dieselbe Aufgabe wird sich beständig stellen genauso hinsichtlich der Anbetung des eucharistischen Herrn.

Zum Schluss soll eine der herausragendsten Vertreterinnen der katholischen Christenheit zu Wort kommen, Mutter Teresa von Kalkutta. Im Informationsdienst “idu” in der Ausgabe vom 11. Juni 1987 finden sich zwei Ansprachen von ihr wiedergegeben. Laut “idu” richtete sie in der Ansprache in der Wiener Pfarrkirche St. Rochus am Donnerstagabend, 4. Juni an die Österreicher auch die Bitte, wenigstens einmal in der Woche in eine Kirche zur Anbetung zu gehen: “Vertraut auf die Macht des Gebets, vertraut auf Gott, glaubt an ihn und liebt ihn”.

Am 5. Juni hob sie bei einer Begegnung mit zwei Mädchenklassen einer Hollabrunner Schule “die Wichtigkeit des Gebetslebens für ihr Wirken hervor, besonders die täglich einstündige Anbetung der hl. Eucharistie”. Wörtlich sagte sie: “Drängt eure Pfarrer, dass sie euch das schöne Geschenk machen, das Geschenk der Anbetung!”

4. Erfahrungen mit der Anbetung

Abschließend sei es nicht unterlassen, einen kurzen Blick darauf zu tun, welche Erfahrungen diejenigen Mitglieder der Pfarrgemeinde in Tirschenreuth machen, die zur Anbetung kommen. Nach über fünf Jahren, und damit nach mehr als 250 Anbetungsstunden, die die regelmäßigen und fest eingeschriebenen Anbeter vor dem Allerheiligsten zugebracht haben, hat sich nach meinen Beobachtungen alles ziemlich fest und beständig eingespielt. Das Problem, eine Lücke zu schließen, stellt sich in der Regel nur dann, wenn jemand krankheitsbedingt, beruflich oder evt. wegen einer Urlaubsfahrt abwesend ist. Aber auch hier sind die meisten so selbständig, dass sie eigenständig, d.h., ohne die Priester zu beanspruchen, eine Vertretung aus dem Verwandten- oder Freundeskreis finden. Da oder dort wird eine solche “Aushilfe” für den Betreffenden sogar zum Anstoß, regelmäßig zu kommen.

Jedenfalls sind die Anfangsschwierigkeiten inzwischen überwunden, die sich für viele in kleinen praktischen Dingen ergeben hatten: Durch welche Tür kann die Kirche betreten werden? Wo und wann muss ich mich eintragen, wenn ich meine Stunde gehalten habe? An wen wende ich mich, wenn ich eine Vertretung ganz kurzfristig benötige? Wie gestalte ich die Stunde? Wie komme ich nachts in die Kirche? Was ist zu tun, wenn die Ablösung einmal nicht kommt? Diese Lind ähnliche Fragen haben sich für die Beter inzwischen alle geklärt.

Und was noch wichtiger ist: Es hat sich inzwischen ein stabiler und zuverlässiger Stamm von Betern herauskristallisiert, auf die in jedem Fall Verlass ist. In der ersten Phase ergab sich diese Klärung im wesentlichen bereits, welche der angemeldeten Anbeter dabei bleiben und welche wieder aufhören würden. Es war zu beobachten, dass die Zahl der “Voreiligen” sich in etwa die Waage hielt mit der Zahl derjenigen, die eine längere Bedenkzeit in Anspruch nahmen und sich erst einige Wochen oder gar Monate nach dem Beginn der Immerwährenden Anbetung fest anmeldeten.

Die Äußerungen, die sich im Gespräch mit Anbetern bzw. auf direkte Befragung hin ergeben, lassen den Schluss zu, dass für die Betreffenden in dieser Stunde “Gotteserfahrung” möglich wird, bzw. die Beziehung zu Gott in jedem Fall bewusst gesucht wird. Ein Student, H. B., 20 Jahre, hat es so ausgedrückt: “Ich habe mich zur Anbetung gemeldet, um im persönlichen Gebet den intensiven Kontakt zu Gott zu finden … Dabei konnte ich Gott gegenüber Menschen ins Gespräch bringen, die ich sonst vergessen hatte. Ich habe immer versucht, die Stunde kniend zu verbringen”.

Natürlich ergeben sich für den einzelnen immer wieder Schwierigkeiten, für manche, besonders in den frühen bzw. späten Stunden des Tages, ist es der Kampf mit der Müdigkeit, der bei einzelnen bewusst als “Buße” aufgefasst wird. Vielen wird die Erfahrung geschenkt, die in dem Wort Jesu verheißen ist: “Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen”. (Mt 11,28)

Eine Sparkassenangestellte, V H., 37Jahre, Mutter von zwei Söhnen (21 und 22 Jahre alt), erläutert ihre Motive für die Anbetung so: “In erster Linie ruhig werden, Ruhe finden. In der Stille Gott begegnen, einfach da sein. In der Rückbesinnung auf die vergangene Woche Ihm alles übergeben, Familie und Arbeit, Atemholen!”

M. K., Hausfrau, drückt es so aus: jeden Montag von 19.00-20.00 Uhr beten wir vor dem Allerheiligsten und ich erfahre Kraft und Stärke für die ganze Woche. Ich nehme alle meine Sorgen und Anliegen mit … Der Montagabend bedeutet mir sehr viel und ich möchte ihn nicht mehr missen; deshalb wünsche ich, dass viele andere Pfarreien genauso schöne Erfahrungen machen dürfen”.

Beim Großteil der Beter ist die persönliche Gottesbeziehung sehr lebendig. Dies drückt sich zusätzlich darin aus, dass die meisten zu den regelmäßigen Sonntagsgottesdienstbesuchern zählen, die zudem auch während der Woche immer wieder im Gottesdienst zu sehen sind. Aber es sind auch solche zu finden, die nicht regelmäßig zur Messe kommen. Eine Frau meldete sich sogar ausdrücklich mit der Begründung, sie wolle Abbitte tun, weil sie bisher am Sonntag nicht immer zum Gottesdienst gehe.

Bei einer Reihe von Betern ist mir bekannt, dass sie durch das Gebet große persönliche und familiäre Probleme durchzutragen versuchen. Gerade für solche bleibt die seelsorgerische Begleitung durch den Priester unerlässlich.

All das aber, was vor dem Allerheiligsten geschieht, mehrt den Lobpreis des Lammes”, das geschlachtet wurde” und den Lobpreis dessen, “der auf dem Thron sitzt”, dem “gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit”. (Offb. 5,12.13)

entnommen aus: Witt, Georg Maria, Offensive nach Innen, Tirschenreuth 1992, S. 15-26

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